125 Jahre Skilauf

Wer hat’s erfunden?

Kuckucksuhr, Kirschwasser und Kirschtorte – Schwarzwälder Erfindungen, von denen jedes Kind bei uns Bescheid weiß. Skifahren hingegen, eine Schwarzwälder Erfindung?

Hier wird es schon schwieriger und selbst heimatkundliche Kenner tippen hier eher auf unsere nahegelegenen alpenländischen Nachbarn. Doch weit gefehlt, auch das Skifahren ist, zumindest in unseren mitteleuropäischen Gefilden, von den Schwarzwäldern entdeckt worden.

1891 wurde am Feldberg zum 1. Mal Ski gefahren - 125 Jahre Skisport!

Spätestens seit Dr. Pilet im Februar 1891 mit „norwegischen Schneeschuhen“ den Feldberg bestieg, wissen wir, dass doch einige Jahre vor den Bayern, Schweizern und Österreichern, Skisport im Schwarzwald populär wurde. Und so feiert der Schwarzwald im Winter 2015/2016 125 Jahre Skisport!

Der 1. Skilift wurde mit einem Mühlrad betrieben

Und es gibt noch mehr Beweise schwarzwälderischen Pioniergeists. 1900 die ersten deutschen Skimeisterschaften auf dem Feldberg, 1908 der weltweit erste Skilift im Schollachtal und zwar, wie heute „en vogue“, regenerativ mit Mühlrad und damit mit Wasser angetrieben! Ihm folgte sein „großer Bruder“ die Feldbergbahn 90 Jahre später, als erste Sechsersesselbahn Deutschlands, übrigens auch zu 100% mit Strom aus Wasserkraft betrieben!

In Bernau, der schwarzwälder Hochburg der Holzverarbeitung, gründete der legendäre „Ski-Köpfer“ die erste Skifabrik der Welt!

Dazu hat der Schwarzwald als weltweit einzige Region 1999 das Kunststück geschafft, mit vier Schwarzwälder Jungs aus drei Dörfern den Rest der Welt im Mannschaftsskispringen zu schlagen.

Vom beruflichen Fortbewegungsmittel zum absoluten Livestyleprodukt

Es waren übrigens Ärzte und Hebammen, später auch Briefträger, die ihre Skier beruflich nutzten. Das gleiten über den Schnee war einfach leichter, als das mühsame durch in durch zustapfen! Somit konnte durch diese „Meinungsbildner“ der Gründerzeit, der Ski sehr schnell seinen Siegeszug über die Wälder antreten und es entwickelte sich recht schnell aus dem beruflichen Fortbewegungsmittel ein Freizeit- gerät, das immer noch in der dunklen Jahreszeit im Schwarzwald das meist genutzte CO² freie Fortbewegungsmittel darstellt. Mittlerweile verfeinert und spezialisiert in eine breite Produktpalette vom Snowboard über den Langlaufski, bis hin zu den modernen alpinen Carvingskiern, die dem Nutzer ein Kurvengefühl erlauben, wie es nur dem Motorradfahrer im Sommer gegönnt ist; einfach weil man damit in den Kurven sogar beschleunigen kann und damit leicht dem „weißen Rausch“ verfällt.

Der gleichnamige Film des Freiburger Produzenten Arnold Fanck, lief übrigens am Broadway über Jahre hinweg täglich in den ausverkauften Kinos - für heutige Zeiten ein unglaublicher Hype und wieder Beweis Schwarzwälder Pionierleistung!

 Klar, dass damit die Historie um die Bretter aus Eschenholz und Hickory, mittlerweile natürlich auch aus High-Tech-Material, welches die Laborateure in den Skifabriken, alljährlich optimierter uns unter die Füße schnallen, eine Erfolgstory werden musste!

Seit den goldenen 20er boomt der Ski-Tourismus

In den 20er Jahren war der Feldberg das „St. Moritz“ der heutigen Zeit. Im Feldberger Hof tummelten sich die Ahnen des heutigen Jetsets, genauso wie die Massen. Dank Höllentalbahn und Straßenerschließung der Schwarzwaldtäler immer näher an die Städte, vor allem an Freiburg angeschlossen, konnte man sich über die Winterwochenenden und Weihnachtstage aus den Stuben entfernen und der Wintertourismus war Wirklichkeit.

In der Nachkriegszeit war das Wirtschaftswunder auch in der kalten Jahreszeit Basis des beginnenden Wohlstandes in den Schwarzwalddörfern. Hinterzarten, Schonach, Schönwald, der Titisee für die Eissportler und die nordschwarzwälder Skistationen entlang der Schwarzwaldhochstraße, entwickelten sich neben dem Feldberg zu den Winterdestinationen, wie sie heute noch als schmucke und heimelige Dörfer in unvergleichlicher Landschaft bestehen.

 Und dank dieser nachhaltigen und auch beharrlichen Arbeit der Dorfbewohner, haben wir heute eine gut und in der Fläche lückenlos erschlossene Winterinfrastruk- tur, die entlang des dicht besiedelten Oberrheingrabens, sich auf fast 200 km entlang schlängelt und der badischen Bevölkerung quasi als winterlichem Vorgarten dient.